Papier und Stein
Archiv und Austellung in Sächsischem Schloss
Die baulichen Wurzeln von Schloss Freudenstein in Freiberg reichen zurück bis in die Romanik. Nach einer Umgestaltung
im Stil der Renaissance begann die Blütezeit der vierflügeligen
Anlage. Als Ende des 18. Jahrhunderts infolge von Kriegszerstörungen der zunehmende Verfall drohte, trieb das Militär den
kompletten Umbau zum Magazin voran. Noch heute zeugen die
kleinformatigen Fenster und niedrigen Geschosshöhen von der
damaligen Nutzung. 2004 ging das Schloss in das Eigentum der
Stadt Freiberg über, die dessen Umwidmung zu einem Ort der
Kultur forcierte. Die neue Nutzung passt gut zum Gebäude: Das
Magazin fungiert weiterhin als Lager, allerdings ziehen dort die
Dokumente des Sächsischen Bergarchivs ein. Sie brauchen
nicht viel Licht, so dass die Fassade nicht aufgebrochen werden
musste. Die übrigen Räume bieten einer mineralogischen Sammlung Platz.
AFF Architekten aus Berlin, mit dem Umbau beauftragt, legten
besonderes Augenmerk auf den Großen Turm und den Kirchenflügel. Im Turm, der früher die Gemächer der Wettiner Kurfürsten
beherbergte, ist jetzt die Verwaltung des Archivs untergebracht.
Die Büros gruppieren sich um ein zentrales, komplett in Grün
gehaltenes, mehrstöckiges Foyer. Im Erdgeschoss blieben die
alten Holzkonstruktionen des ehemaligen Getreidespeichers
erhalten.
Um den hohen konservatorischen Ansprüchen an ein Lager
für historische Dokumente gerecht zu werden, entkernten die
Architekten den an den Turm angrenzenden Kirchenflügel und
schrieben ihm einen vollständig klimatisierten und energetisch
optimierten Baukörper aus Beton ein, der als Raum im Raum
etwas mehr als einen Meter Abstand von den alten Fassaden hält.
Dass dieser Körper kantige Betondornen durch die alten Speicherfenster streckt, hat zweierlei Gründe: Zum einen bewahrt er
dadurch die Bestandsfassaden vor dem Einknicken, zum anderen macht er die neue Nutzung nach außen sichtbar.
Sämtliche
Ebenen sind über einen mittig angeordneten, leuchtend gelb
gestalteten Funktionskern erreichbar.
Zwei eingeschossige Anbauten aus schwarzem Sichtbeton
und Glas ergänzen die historische Anlage. Sie nehmen Werkstätten sowie den Haupteingang mit Empfang auf. Im Gebäudeinneren heben kräftige Farben neue Räume vom meist in weiß gehaltenen Bestand ab. Die Gestaltung des allseitig umschlossenen
Hofes soll einen Bezug zur Mineralienausstellung herstellen: Innerhalb eines Splittbelags ließen die Architekten großformatige
Granitplatten verlegen, die die charakteristischen Formen von
Kristallen abbilden.
Von Tanja Feil
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