SCHÖPFLIN STIFTUNG BERLIN
STATUS: REALISIERT
JAHR: 2024
Das Stiftungsensemble aus „Spore Initiative“ und „Publix – Haus für Journalismus und Öffentlichkeit“ entstand in Berlin-Neukölln entlang der Hermannstraße als neuer kultureller Stadtbaustein. Initiiert von der gemeinnützigen Schöpflin Stiftung, verfolgen beide Gebäude programmatische Ziele in Medienbildung, öffentlichem Diskurs und kultureller Praxis – und schaffen niederschwellige Orte der Begegnung für eine diverse Nachbarschaft.
Die „Spore Initiative“ widmet sich dem Erhalt biokultureller Vielfalt und versteht sich als Ort des offenen Dialogs. Auditorium, Ausstellungsfläche, Bibliothek, Gemeinschaftsräume sowie Wohn- und Arbeitsateliers bilden ein flexibles Raumprogramm für vielfältige Nutzungen. Das Erdgeschoss wird von einer parametrisch entwickelten, wabenförmigen Betondecke geprägt – in Anlehnung an eine mikroskopische Spore –, die mit minimalem Materialeinsatz bis zu zwölf Meter stützenfrei überspannt. „Publix“ ergänzt das Ensemble als Arbeits- und Begegnungsort: Auf fünf Etagen stehen flexible Arbeitsbereiche, professionelle Video- und Audiostudios sowie Konferenz- und Seminarräume zur Verfügung; im sechsten Obergeschoss befinden sich temporäre Wohn- und Arbeitsateliers.
Städtebaulich vermittelt das Ensemble zwischen der dichten Blockrandbebauung und dem angrenzenden Friedhof. Ein gemeinsamer Vorplatz zwischen den gestaffelten Baukörpern bildet das räumliche Herzstück. Historische Elemente wurden bewusst in die zeitgenössische Architektur integriert: Das historische Friedhofsportal wurde versetzt und verbindet die beiden Neubauten; die alte Friedhofsmauer ist als Intarsie in die Betonfassade der Spore eingearbeitet. Ein denkmalgeschützter Leuchtfeuermast des ehemaligen Flughafens Tempelhof ist in eine städtische Nische eingebettet und prägt die markante Kubatur des Ensembles.
Die Materialsprache der Gebäude nimmt Bezug auf den umgebenden Kontext. Die „Spore“ greift dabei explizit Berlins Backsteinarchitektur und die Nachkriegstradition der Materialwiederverwendung auf: Ihre feingliedrige Schichtfassade aus wiedergewonnenen und neu gebrannten Ziegeln verleiht dem Baukörper einen robusten, selbstbewussten Charakter mit handwerklicher Präzision. „Publix“ hingegen tritt mit einer monolithisch rau geschalten, rot eingefärbten Betonfassade in Dialog mit der Ziegelästhetik der Spore und der Umgebung. Transparente Erdgeschosszonen schaffen bei beiden Häusern eine visuelle Verbindung zwischen Stadtraum und dem dahinterliegenden Grünraum. Kantine, Café, Auditorium und flexible Flächen für Podiumsdiskussionen machen beide Häuser zu einladenden öffentlichen Interaktionsorten – als offene Dritte Orte für Kulturvermittlung und demokratischen Austausch.